Abstract
Die Hauptfunktionen eines Museums sind das Sammeln, Bewahren und Präsentieren sowie die Öffentlichkeit über Kultur und Kunst zu informieren. Performancekunst ist für Museen bekanntlich schwer zu handhaben. Trotz der „einfachen" Präsentation, stellt die Nicht-Materialität der Kunstform die konventionellen Methoden und Praktiken eines Museums in Frage. Gleichzeitig sind Künstler_innen- und Publikumsdokumentationen von Live-Events allgegenwärtig geworden und zirkulieren über mehrere Schichten von Hardware, Software und Code in verschiedene kulturelle und soziale Bereiche. Wenn man Dokumentation nur als Erfassung eines Ereignisses betrachtet, erkennt man nicht das transformative Potenzial der Dokumentation als Ereignis. Mit anderen Worten, informiert und reguliert zu werden durch unsichtbare Systemen und Algorithmen, von deren Entstehung bis hin zur Verbreitung, macht Dokumentation nicht nur zur Vermittlung, sondern womöglich auch zur Mitgestalterin des Ereignisses.
Die Betrachtung der Dokumentation als performativer Prozess zeigt zwei interessante Perspektiven auf. Auf der einen Seite verändert sich die Funktion der Dokumentation, indem sie manchmal etwas anderes als nur eine Darstellung eines Werkes oder eines bestimmten Moments wird. Andererseits wird sie von verschiedenen Menschen geschaffen und hat so durch menschliche und maschinelle Interventionen auf vielfältige Weise Bestand.
Dies zeigt, dass die Erstellung von Dokumentationen nicht mehr allein die Expertise des institutionellen Archivs oder des Museums ist. Die Tatsache, dass eine Kombination aus verschiedenen Besucher_innen und nicht-menschlichen Einheiten zu Akteur_innen bei der Produktion neuer Inhalte und Werte für das Museum werden, beeinflusst deren Beziehung zum Museum. Anhand von Beispielen, in denen die Dokumentation die konventionellen Methoden der Aufnahme von Live-Events erweitert, werde ich mich kritisch mit der traditionellen Autorität des Museums als Dokumentations-Ersteller zugunsten des Konzepts eines „sozialen/fürsorglichen Netzwerkes“ (”network of care”) auseinandersetzen. Ein solches Netzwerk besteht aus verschiedenen Interessengruppen und Betreuenden (menschlich und maschinell), die dezentrale Systeme zur Kreation, Verbreitung und potenziellen Erhaltung des kulturellen Erbes nutzen. In dieser Präsentation und anhand der Beispiele untersuche ich einige der wichtigsten Merkmale, die erforderlich sind, damit ein „soziales/fürsorgliches Netzwerkes“ (”network of care”) ausserhalb eines institutionellen Rahmens erfolgreich sein oder als Instrument der Transformation wirksam werden kann.