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Auf Kohlwegen durch Korea 03

Füße? Was Hektor Maille nach seiner Ankunft in Gwangju vor allem zu sehen bekam, waren Fische. Obwohl die Stadt sicher sechzig Kilometer von der Küste entfernt lag, gab es hier kaum ein Lebensmittelgeschäft, vor dem nicht Gelbfische zum Trocknen ausgehängt waren. Mit golden leuchtenden Stoffbändern in Reih und Glied gebunden, schwebten diese gulbi als unheimliche Schwärme durch die Luft – ebenso schön wie tot.
«Kohl», hatte Marie gesagt und damit wieder einmal deutlich gemacht, wie wenig sie sich für Gaumenbelange interessierte. In Korea, und insbesondere in der Gegend von Gwangju, wo Tatjanas Tiger seine Fabrik besaß, konnte dies wohl nur eines bedeuten: Kimchi, das Nationalgemüse der Koreanerinnen und Koreaner – ein je nach Rezept über Stunden, Tage, Monate oder Jahre fermentierter Kohl, baechu zumeist, wie der «Chinakohl» auf Koreanisch hieß.
Maille hatte auch selbst schon versucht, Kimchi herzustellen, in einem großen Tontopf. Dabei entstanden allerdings derart heftige Gase, dass ein Bekannter seiner Köchin eines Abends im Halbdunkeln mit der Schrotflinte auf den Kimchipott schoss. Offenbar hatte er den Topf für ein stinkendes wildes Tier gehalten, noch offensichtlicher zuvor auch Odettes kühlen Kokosnusscocktail gekostet. Das erschossene Kimchi wollte Maille nicht recht schmecken – er war da wohl auch etwas konservativ.
Zürich, 2008


References

Full spec

CallNumber
MK06_03
DateAdded
2026-02-19T12:39:00Z
DateModified
2026-03-19T08:40:11Z
Key
6HJTZH8X
NumberOfVolumes
20
Rights
CC BY 4.0
SeriesTitle
Mission Kaki
Volume
Episode 06
Handle
20.500.11806/med/4x0t-jx3x-35