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Viola da gamba (Bass), München 1599

Eine detaillierte Beschreibung des Instruments und der damit verbundenen Fragen findet sich in: Klaus Martius, Karel Moens: "Wie authentisch ist ein Original? Untersuchungen an zwei alten Streichinstrumenten des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg", in: Concerto, Jg. 1988, Heft 6, S. 15–21. Allerdings waren sich schon damals die beiden Autoren nicht immer über die Tragweite der vorgestellten Befunde und Interpretationen einig. Im Zuge dieses Forschungsprojekts wurde das Instrument erneut untersucht und insbesonders die Decke neu vermessen.
Datierung/Zuschreibung:
Die Datierung und Zuschreibung erfolgt auf der Basis eines eingeleimten Zettels mit der gedruckten Aufschrift: "Hans Pergette / von München 15[hs]99". Allerdings ist dieser Zettel heute über eine spätere Fugenverstärkung geleimt, und wurde demnach mindestens einmal abgelöst und wieder neu eingeleimt. Eine dendrochronologische Untersuchung des Instruments steht noch aus.
Umrissform:
Ob es sich bei der heutigen Umrissform um die ursprüngliche handelt, ist nicht mehr zweifelsfrei zu belegen. Das Argument, dass die originale Lackschicht auf den Randeinlagen fehlt, könnte aber (nach Ansicht von K. Martius) auch mit einem missglückten Reinigungsversuch zu erklären sein, und muss nicht unbedingt auf eine Veränderung des Umrisses hindeuten. Dass Decken- und Boden-Umriss nicht sehr gut übereinstimmen und die Ecken aus der Senkrechten gekippt sind, ist auch an den Streichinstrumenten aus dem Freiberger Dom zu beobachten. Es ist wohl eher ein Zeichen für eine Arbeitsweise ohne Innenform als für eine Umrissveränderung. Auch das Argument, dass die Decke wegen einer Verkleinerung im Bereich der Oberzargen stark nach unten gebogen ist, ist nicht unbedingt stichhaltig, da dieses Herunterbiegen hauptsächlich durch die Abnahme der Zargenhöhe zum Halsfuss hin verursacht wird.
Decke:
Die zweiteilige Decke mit Randüberstand ist aus Fichtenholz. Im Inneren der Decke sind zahlreiche relativ grobe Bearbeitungsspuren zu sehen. Die Mittelfuge ist innen mit leimgetränkten Hanfschnüren belegt, die aber nach Ansicht von K. Martius und K. Moens nicht original sind. Zur Frage, ob die doppelte Randeinlage original sein könnte, siehe oben. Als Saitenhalter-Aufhängung dient ein eiserner Nagel, der durch die Decke in den Oberklotz geschlagen wurde (Röntgenbild). Am oberen Ende dieses Nagels befindet sich eine rechteckige Öse, in welche der Saitenhalter eingehängt wurde. (Der heutige Saitenhalter ist eine Rekonstruktion.)
Zargen/Boden:
Zargen und Boden sind aus demselben Vogelaugenahorn gearbeitet. Die Zargen weisen im Inneren starke Zahnhobelspuren auf und sind in regelmässigen Abständen mit senkrecht eingeleimten Pergamentstreifen (auf welchen sich noch Schriftreste aus dem 16./17. Jahrhundert erkennen lassen) verstärkt. Auf der Deckenseite der Zargen befinden sich Reifchen, die untere Zargenfuge ist (wie die Decken-Mittelfuge) mit in Leim getränkten Hanffasern verstärkt. Möglicherweise wurde mit diesen Hanfasern eine ursprüngliche Pergament-Fugenverstärkung ersetzt. Die Ecken sind ohne Gehrung (und ohne Eckklötze) flach aufeinander geleimt. Leimreste im Korpusinneren deuten darauf hin, dass die Ecken ursprünglich möglicherweise auch mit Pergamentstreifen verstärkt waren.
Der zweiteilige flache Boden mit Knick und Randüberstand ist mit zwei Dübeln am Unterklotz befestigt und weist drei - leicht schräg stehende Balken - auf.
Hals/Griffbrett/Wirbelkasten:
Die gesamte Oberklotz- und Halsansatz-Konstruktion erscheint sehr seltsam (siehe auch Martius/Moens 1988). Da der grösste Teil des voluminösen Oberklotzes keine Verbindung zur Decke aufweist und zusätzlich die Decke zum Oberklotz hin stark nach unten forciert wurde, ist es wahrscheinlich, dass der gesamte Oberklotz, Hals und Wirbelkasten ein späterer Umbau ist. Dafür könnte auch die relativ grobe Schnitzarbeit von Wirbelkasten und Schnecke sprechen.
Innenkonstruktion:
Besonders im Streiflicht kann man gut den beim Aushobeln bzw. Ausstechen der Decke stehengelassenen wulstartigen Bassbalken erkennen. Das Instrument weist neben den drei Bodenbalken kein Stimmbrett auf und auch in der Decke sind nur neuere Stimmstock-Druckstellen vorhanden sind (wie aus dem Restaurierungsbericht von Friedemann Hellwig 1976 hervorgeht). All dies könnte für eine ursprüngliche Konzeption ohne Stimmstock sprechen.
Saitenzahl/Mensur:
Die Frage der originalen Saiten-Anzahl und der Mensur kann aufgrund der oben beschriebenen Diskussionen zu Hals und Wirbelkasten nicht eindeutig beantwortet werden.
Provenienz:
Möglicherweise stammt das Instrument aus der Nürnberger Frauenkirche, da dort in einem Inventar von 1609 unter anderem "Sechs große Violn, darunter 1 Baß, 3 Tenör und 2 Alt, zu München von Hansen Pergette gemacht, haben alle ihre Pögen" [Staatsarchiv Rst. Ngb. Rep. 2c, Nr. 96, F. 14 F] genannt werden. Unter der Bezeichnung "Violoncello" ist das Instrument schon in der ersten Übersicht des Museums von 1856 verzeichnet.
Thilo Hirsch, Basel 2013
1599
http://www.mimo-db.eu/MIMO/infodoc/ged/view.aspx?eid=OAI_GNM_DE_640638


Systematik:

3.2.200.010 Viola da gamba

3.2.200.050 Viola da Gamba (Tenor, Bass)

Sekundärliteratur:

  • Wie authentisch ist ein Original? Untersuchungen an zwei alten Streichinstrumenten des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg
  • Violen da gamba im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg
  • Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart / nach den besten Quellen bearbeitet von Willibald Leo v. Lütgendorff
  • Kunsttechnologische Beobachtungen zur Aufbereitung und Verwendung tierischer und pflanzlicher Fasern in Grundier- und Kittmassen, dargestellt an Beispielen aus der bildenden und angewandten Kunst

Entstehungsort: Deutschland, München

Originaltitel:

 

Viola da gamba (Bass)

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