Abstract
Martha Wilson ist eine feministische Künstlerin und Galeriedirektorin aus den USA. Sie begann ihre Karriere in den frühen 1970er Jahren in Halifax, während sie Englisch an der Dalhousie University studierte und am Nova Scotia College of Art and Design Englisch unterrichtete. Martha Wilson arbeitete in einem damals männlich dominierten, konzeptualistischen Milieu und schuf bahnbrechende Foto- und Videoarbeiten, die ihre weibliche Subjektivität durch Rollenspiele, Kostümtransformationen und Eingriffe in männlichen und anderen weiblichen Personas untersuchten. Sie entwickelte ihre performative Arbeitsweise weiter, nachdem sie 1974 nach New York City gezogen war, wo sie auch das Franklin Furnace Archive, Inc. gründete und bis heute leitet: ein von Künstler_innen geführtes Zentrum in der Innenstadt, das sich der Erforschung und Förderung innovativer Installations-, Performance- und zeitbasierter Kunstpraktiken widmet.
Dieser Vortrag beschreibt die verwobenen Phasen von Martha Wilsons kreativen Beiträgen im Kontext der frühen feministischen und sozial engagierten künstlerischen Ansätzen sowie ihre Verbreitung der Arbeit gleichgesinnter Menschen durch Franklin Furnace. Im Mittelpunkt der Diskussion steht Martha Wilsons Präsenz als Akteurin des transformativen und kulturellen Wandels, zunächst in ihrer künstlerischen Arbeit und dann als Leiterin des Franklin Furnace. Martha Wilsons Auswahl von 40 Projekten aus 40 Jahren Programmarbeit bei Franklin Furnace wird auch gewissermassen zu einem Selbstporträt, da sie Werke hervorhebt, die insofern historisch bedeutsam sind, dass sie Grenzen von Ausstellungs- und Display-Kultur sowie der Gesellschaft insgesamt in Frage stellen.