Erinnerungsraum
Titel
Eine Reise in die Kindheit
Datum
2016
Inventarnummer
#forms2-12016.972920
Abstract
Ein kleiner Raum, nicht gross und doch ist er das Zentrum dreier Generationen, Grosi’s Küche. An dem alten Bauernhaus wurde schon oft um- und angebaut, doch die kleinen Räume sind geblieben. Und so steht man mit einem Schritt - oder zwei Kinderschritten schon mitten drin, in einem nicht sehr hellen aber sehr gemütlichen Raum mit tiefer Decke. Das Licht fällt nur durch ein kleines Fenster zum Hof hinein, doch genau das macht ihn so behaglich. Der Küchentisch ist schon fast zu gross für den kleinen Raum und bietet gerade genug Platz für Vier Erwachsene oder sechs Kinder. Die alten, grünen Kacheln an der Wand stehen ein wenig in Konkurrenz mit den neuen Einbauschränken. Hinzu kommt der Holzofen gegenüber des Fensters, ein Relikt aus alten Tagen. Heute wird der Ofen nur noch im Winter eingeheizt und dient dann nicht nur als Wärmespender für die Küche, sondern auch als Wärmeplatte fürs Essen. Apropos Essen, schade ist heute nicht Freitag, denn sonst wäre der Duft frisch gebackener Wähen in der Luft. Freitag für Freitag, ein immer wiederkehrendes Ritual, da wir Enkel bei der Zubereitung mithelfen durften. Wir haben die Löcher in den Boden gestanzt und die Früchte behutsam im Kreis angeordnet. Die ersten Vorbereitungen fanden aber schon mit der Ernte statt. Die Kirschen zum Beispiel, wurden nach dem Pflücken gewaschen, entsteint und eingefroren, damit wir auch im Winter diese wundervollen Wähen geniessen konnten. Auch die Äpfel und Rhabarber kommen aus dem eigenen Garten und erfüllen die kleine Küche mit diesem unvergesslichen Duft. Doch wenn im Herbst die Quitten im Zucker kochten, war die schönste Zeit des Jahres angebrochen. Tagelang war dann die Küche mit dem Duft der Früchte erfüllt und wir Kinder freuten uns besonders darauf, wenn das Gelee abgekühlt war und wir endlich probieren durften was so lange gekocht hat. Wenn ich heute ab und an mal ein Glas Quittengelee kaufe, merke ich wieder, wie mir dieser kleine, warme und so vertraute Raum mit meiner Grossmutter am Herd doch fehlt, doch was bleibt, ist die Erinnerung.